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Qualifikationsniveaus in der Pflege: QN1 bis QN4 erklärt

QN steht für Qualifikationsniveau. Seit es die Personalbemessung nach § 113c SGB XI gibt, teilen Pflegeheime ihr Personal nach diesen Stufen ein. Wie viele Stellen ein Haus je Personalgruppe höchstens vereinbaren kann, steht im Gesetz. Wer auf welche Stelle passt, steht dort nicht.

Stand: 2. November 2026 · von Xaver Bauer, Dienstplanbauer

Das Wichtigste in Kürze

  • QN1 und QN2 sind Hilfskräfte ohne Ausbildung, QN3 hat eine ein- oder zweijährige Helfer- oder Assistenzausbildung, QN4 ist die dreijährig ausgebildete Pflegefachperson.
  • Das Gesetz spricht nicht von QN. § 113c SGB XI unterscheidet Hilfskräfte, Assistenzkräfte und Fachkräfte; die Zuordnung der QN stammt aus den Umsetzungshinweisen des GKV-Spitzenverbands.
  • Für QN2 verlangt die GKV-Matrix mindestens 150 Stunden Pflegeunterricht und ein Jahr angeleitete Tätigkeit. Im PeBeM-Gutachten von 2020 standen noch 200 Stunden.
  • Höher Qualifizierte dürfen eine niedrigere Stelle besetzen. Eine Pflegefachperson zählt also auch auf einer Assistenzstelle.
  • Ab 01.01.2027 gibt es die bundeseinheitliche Pflegefachassistenz mit 18 Monaten Ausbildung. Ausbildungen nach Landesrecht können noch bis 31.12.2026 beginnen.

Woher die Qualifikationsniveaus kommen

Die Stufen stammen aus dem Gutachten zur Personalbemessung (PeBeM), das ein Team der Universität Bremen um Heinz Rothgang 2020 vorgelegt hat. Grundlage war ein älterer Anforderungs- und Qualifikationsrahmen, der sich am Deutschen Qualifikationsrahmen orientiert. Er beschreibt acht Stufen: QN1 steht für Service im Lebensumfeld, QN4 für die Steuerung komplexer Pflegeprozesse, QN8 für pflegewissenschaftliche Aufgaben (PeBeM, S. 90).

Im Heimalltag kommen vor allem QN1 bis QN4 vor. Alles darüber sind Weiterbildungen und Studienabschlüsse, und der PeBeM-Algorithmus rechnet sie zu den Fachkräften.

Im Gesetz taucht der Begriff gar nicht auf. § 113c Abs. 1 SGB XI nennt drei Gruppen: Hilfskräfte ohne Ausbildung, Hilfskräfte mit einer landesrechtlich geregelten Helfer- oder Assistenzausbildung von mindestens einem Jahr und Fachkräfte. Wie die QN darauf verteilt werden, hat der GKV-Spitzenverband 2024 in seinen Umsetzungshinweisen festgehalten (S. 9).

QN1 bis QN4 im Überblick

StufeWer dazugehörtNachweisGruppe nach § 113c Abs. 1
QN1Mitarbeitende ohne Pflegeausbildungmindestens vier Monate angeleitete TätigkeitNr. 1, Hilfskräfte
QN2Hilfskräfte mit Basisqualifikationmindestens 150 Stunden Pflegeunterricht und insgesamt ein Jahr angeleitete TätigkeitNr. 1, Hilfskräfte
QN3Pflegehelferinnen und Pflegehelfer, Pflegeassistenzein- oder zweijährige Ausbildung nach Landesrecht, ab 2027 auch PflegefachassistenzNr. 2, Assistenzkräfte
QN4Pflegefachfrau, Pflegefachmann, Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflegedreijährige Ausbildung mit Erlaubnis nach § 1 PflegeberufegesetzNr. 3, Fachkräfte

Quellen: GKV-Hinweise 2024, S. 9 und 18; PeBeM, S. 92.

Wie viele Stellen je Gruppe und Pflegegrad höchstens finanziert werden, steht in der Tabelle der Personalanhaltswerte im PeBeM-Rechner. Eine Zahl daraus lohnt sich vorab: Bei Pflegegrad 2 entfallen rund 36 Prozent der Stellen auf Fachkräfte, bei Pflegegrad 5 rund 57 Prozent. Je schwerer die Pflegebedürftigkeit, desto mehr Fachkraftzeit.

Was bedeutet QN2 in der Pflege?

QN2 ist die Hilfskraft mit Basisqualifikation. Sie hat keine Ausbildung, aber einen Pflegebasiskurs und mindestens ein Jahr Arbeit unter Anleitung. Die Zuordnungsmatrix in den GKV-Hinweisen von 2024 verlangt dafür mindestens 150 Stunden theoretischen und praktischen Pflegeunterricht (S. 18). Im PeBeM-Gutachten standen 2020 noch 200 Stunden für einen Kurs von zwei bis sechs Monaten (S. 92). Welche Zahl Ihre Pflegekasse ansetzt, klären Sie besser vor der Pflegesatzverhandlung als danach.

Zu QN1 fehlt also der Kurs. Und wer erst zwei Monate im Haus arbeitet, hat formal noch nicht einmal QN1 erreicht. Die GKV-Hinweise stellen dazu trocken fest, dass solche Mitarbeitende trotzdem eingesetzt werden.

Zusätzliche Betreuungskräfte nach § 43b SGB XI ordnet das Gutachten ebenfalls QN2 zu (160 Stunden Unterricht und drei Wochen Praktikum). Bei den Personalanhaltswerten nach § 113c zählen sie aber nicht mit (GKV-Hinweise, S. 18).

Was bedeutet QN3 in der Pflege?

QN3 heißt: abgeschlossene Helfer- oder Assistenzausbildung nach Landesrecht, ein oder zwei Jahre lang. Die Berufsbezeichnung ist je nach Land verschieden. Mit dieser Ausbildung führen Assistenzkräfte Aufgaben im Pflegeprozess selbst aus; geplant und gesteuert wird der Prozess von einer Fachkraft.

Das PeBeM-Gutachten gibt QN3 einfache medizinische Aufgaben nach ärztlicher Anordnung, etwa Kompressionsstrümpfe anziehen oder subkutan spritzen, und die körpernahe Pflege bei Bewohnern mit stabiler Gesundheit. Die GKV-Hinweise beobachten, dass Assistenzkräfte diese Aufgaben in der Ausbildung lernen, im Heim aber oft nicht übertragen bekommen (S. 20). Umgekehrt nutzten Fachkräfte in der PeBeM-Studie nur die Hälfte ihrer Arbeitszeit für Aufgaben, die wirklich eine Fachkraft brauchen (zitiert in den GKV-Hinweisen, S. 11).

QN4: Pflegefachpersonen und ihre Vorbehaltsaufgaben

QN4 ist die Pflegefachperson mit dreijähriger Ausbildung und Erlaubnis nach § 1 Pflegeberufegesetz. Altenpflegerinnen, Altenpfleger und Gesundheits- und Krankenpflegende mit Abschluss nach altem Recht gehören dazu.

Drei Aufgaben darf nach § 4 Pflegeberufegesetz nur sie übernehmen:

  1. den individuellen Pflegebedarf erheben und die Pflege planen,
  2. den Pflegeprozess organisieren, gestalten und steuern,
  3. die Qualität der Pflege analysieren, evaluieren, sichern und weiterentwickeln.

Für die Leitung zählt vor allem Absatz 3. Der Arbeitgeber darf diese Aufgaben niemandem ohne Erlaubnis übertragen und darf auch nicht dulden, dass jemand anderes sie erledigt. Schreibt eine erfahrene Assistenzkraft nebenbei die Pflegeplanungen, verstößt das Haus gegen diese Pflicht.

Die einzelnen Pflegemaßnahmen sind dagegen nicht vorbehalten. Waschen, Lagern oder Essen anreichen dürfen QN1 bis QN3 übernehmen, solange eine Pflegefachperson den Prozess verantwortet. Das Gutachten verlangt außerdem, dass immer mindestens eine Pflegekraft mit QN4 oder höher im Haus ist (S. 204).

Welche Aufgaben passen zu welchem Qualifikationsniveau?

Das PeBeM-Gutachten hat die Arbeit im Heim in Aufgabenklassen eingeteilt und jeder ein Mindestniveau gegeben. Die wichtigsten für den Pflegealltag:

AufgabeBeispieleMindestens
ServiceaufgabenMahlzeiten zubereiten und austeilen, einfache HauswirtschaftQN1
Betreuung durchführenAktivitäten, Anwesenheit in kritischen SituationenQN2
Körpernahe PflegeWaschen, Ankleiden, MobilisierenQN2 bis QN4, je nach Bewohner
Einfache medizinische Aufgaben nach AnordnungKompressionsstrümpfe anziehen, subkutane InjektionenQN3
Komplizierte medizinische Aufgaben nach AnordnungMedikamente stellen, intramuskuläre Injektionen, AbsaugenQN4
Komplizierte PflegeinterventionenBeratung, Schulung, Basale Stimulation, BiografiearbeitQN4
Betreuung planenBedarf feststellen, Betreuung planen und auswertenQN4
VorbehaltsaufgabenPflegebedarf, Pflegeprozess, QualitätQN4

Quelle: PeBeM, Tabellen 23 und 25, S. 95 bis 97. Abschnitt 4.2.1.5 (S. 102) ordnet die Betreuung genau umgekehrt zu; wir folgen Tabelle 25, die auch zu den GKV-Hinweisen passt.

Körpernahe Pflege: wann reicht QN2, wann braucht es QN4?

Bei der Grundpflege hängt das nötige Niveau vom Bewohner ab. Das Gutachten misst das an zwei Modulen aus dem Pflegegutachten, der Mobilität (Modul 1) und den Verhaltensweisen und psychischen Problemlagen (Modul 3, Merkmale 3.3 bis 3.13), und an der gesundheitlichen Stabilität:

  • QN2 genügt, wenn die Mobilität höchstens erheblich eingeschränkt ist und kein Merkmal in Modul 3 mehr als 1 Punkt hat.
  • QN3 braucht es bei schwer eingeschränkter Mobilität oder wenn ein Merkmal in Modul 3 bei 2 oder 3 Punkten liegt.
  • QN4 braucht es bei schwerst eingeschränkter Mobilität, bei mehr als 3 Punkten in einem Merkmal von Modul 3 oder wenn die Gesundheit instabil ist: Dekubitus, chronische Wunde, instabile Schmerzen, Luftnot oder Kreislauf, Mangelernährung, palliative Versorgung.

Dieselbe Morgenpflege kann also bei Frau A., die mit Rollator selbst ins Bad geht, eine QN2-Aufgabe sein und bei Herrn B. mit offenem Dekubitus eine QN4-Aufgabe. Wer den Tourenplan nach PeBeM baut, muss das je Bewohner hinterlegen (PeBeM, Tabelle 24, S. 97).

QN5 und höher

QN5 erreicht eine Pflegefachperson nach mindestens zwei Jahren Berufserfahrung und einer Fachweiterbildung, etwa in Palliativpflege oder Gerontopsychiatrie. Die GKV-Matrix verlangt dafür mindestens 160 Stunden Theorie, das Gutachten nannte 200. Eine Leitungsweiterbildung mit mindestens 460 Stunden führt ebenfalls zu QN5, ein Bachelor zu QN6.

Für den Stellenplan ändert das wenig. § 113c kennt keinen eigenen Wert für QN5, diese Mitarbeitenden zählen auf Fachkraftstellen. Auch der PeBeM-Algorithmus weist keinen eigenen Bedarf für QN5 aus (S. 204).

Pflegefachassistenz ab 2027: was sich für QN3 ändert

Mit dem Pflegefachassistenzgesetz vom 28.10.2025 gibt es ab 01.01.2027 eine bundeseinheitliche Ausbildung zur Pflegefachassistentin oder zum Pflegefachassistenten: 18 Monate in Vollzeit, in Teilzeit höchstens 36 Monate. Wer mindestens 18 Monate Vollzeit in der Pflege gearbeitet hat, kann sich bis zu einem Drittel der Ausbildung anrechnen lassen.

Die bisherigen Ausbildungen nach Landesrecht laufen aus. Sie können noch bis 31.12.2026 beginnen und müssen bis 31.12.2029 abgeschlossen sein; ein Land kann den Beginn bis Ende 2027 erlauben, dann gilt der 31.12.2030. Wer einen landesrechtlichen Abschluss hat oder in dieser Frist erwirbt, behält ihn. Er gilt zugleich als Erlaubnis nach dem neuen Gesetz.

Eine Lücke bleibt: § 113c Abs. 1 Nr. 2 SGB XI spricht weiter nur von „landesrechtlich geregelter“ Ausbildung. Die Begründung zum Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes vom 30.09.2026 rechnet die neue Pflegefachassistenz aber schon dieser Gruppe zu. Die Bundesregierung will sie also als QN3 zählen; im Wortlaut des SGB XI steht es noch nicht.

Wer darf auf welcher Stelle zählen?

Höher Qualifizierte dürfen immer eine niedrigere Stelle besetzen. Die geforderte Qualifikation gilt nach § 113c Abs. 5 auch dann als eingehalten, wenn das Haus dafür Personal mit höherer Qualifikation vorhält.

Seit 01.01.2026 sollen die Landesrahmenverträge außerdem zulassen, dass auf Fachkraftstellen neben Pflegefachpersonen auch andere Fachkräfte aus dem Gesundheits- und Sozialbereich arbeiten. Das Gesetz nennt staatlich anerkannte Hauswirtschafterinnen und Hauswirtschafter, Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie, medizinische Fachangestellte und, je nach Konzept, Heilerziehungspflege. Was davon in Ihrem Land gilt, regelt der Rahmenvertrag.

Für Stellen oberhalb der Mindestausstattung gibt es nach § 113c Abs. 3 zwei Wege, Hilfskräfte weiterzubringen. Hilfskräfte, die berufsbegleitend eine Helfer- oder Assistenzausbildung machen, zählen schon während der Ausbildung auf Assistenzstellen. Finanziert werden kann dabei auch der Unterschied zwischen Gehalt und Ausbildungsvergütung, wenn die Hilfskraft mindestens ein Jahr im Beruf war. Bei Hilfskräften mit mindestens fünf Jahren Erfahrung (im Jahresschnitt mindestens halbe Stelle) reicht der Nachweis, dass die Ausbildung so schnell wie möglich beginnt, spätestens am 30.12.2028.

Eine Frist läuft bald ab: Nur noch bis 31.12.2026 dürfen Assistenzstellen oberhalb der Mindestausstattung auch mit Personal besetzt werden, das eine mindestens einjährige medizinische, soziale oder hauswirtschaftliche Qualifikation hat und Fachkräfte entlastet. Stellen, die bis dahin so besetzt sind, können ab 2027 zusätzlich vereinbart werden.

Häufige Fragen

Was bedeutet QN in der Pflege?

QN steht für Qualifikationsniveau. Die Stufen stammen aus dem PeBeM-Gutachten der Universität Bremen (2020). QN1 und QN2 sind Hilfskräfte ohne Ausbildung, QN3 sind Assistenzkräfte mit ein- oder zweijähriger Ausbildung, QN4 sind dreijährig ausgebildete Pflegefachpersonen.

Was bedeutet QN2 in der Pflege?

QN2 ist eine Hilfskraft ohne Ausbildung, aber mit Pflegebasiskurs und mindestens einem Jahr angeleiteter Tätigkeit. Die GKV-Matrix von 2024 verlangt mindestens 150 Stunden Pflegeunterricht, das PeBeM-Gutachten von 2020 nannte 200 Stunden.

Was bedeutet QN3 in der Pflege?

QN3 hat eine abgeschlossene Helfer- oder Assistenzausbildung von einem oder zwei Jahren nach Landesrecht. Ab 2027 kommt die bundeseinheitliche Pflegefachassistenz mit 18 Monaten Ausbildung dazu.

Darf eine Pflegefachkraft auf einer Assistenzstelle eingesetzt werden?

Ja. Nach § 113c Abs. 5 SGB XI gilt die geforderte Qualifikation auch dann als eingehalten, wenn die Stelle mit höher qualifiziertem Personal besetzt ist. Eine Pflegefachperson zählt also auch auf einer Stelle für Assistenz- oder Hilfskräfte.

Darf eine Pflegehilfskraft Medikamente stellen?

Nach dem PeBeM-Gutachten gehört das Stellen von Medikamenten zu den komplizierten medizinischen Aufgaben und braucht mindestens QN4. Einfache Aufgaben nach ärztlicher Anordnung wie Kompressionsstrümpfe anziehen oder subkutane Injektionen ordnet es QN3 zu. Das ist eine fachliche Einordnung, kein gesetzliches Verbot.

Gibt es im Gesetz Personalwerte für QN5?

Nein. § 113c SGB XI kennt nur drei Gruppen. Mitarbeitende mit Fachweiterbildung, Leitungsweiterbildung oder Studium zählen auf Fachkraftstellen.

QN im eigenen Team sichtbar machen

In VitalDesk hat jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter ein Qualifikationsniveau. Rollenanalyse und Organigramm zeigen das Team nach QN1 bis QN5 geordnet, und das QN-Matching prüft im Tourenplan, ob Aufgabe und Qualifikation zusammenpassen.

Quellen

  1. § 113c SGB XI, Personalbemessung in vollstationären Pflegeeinrichtungen
  2. § 4 Pflegeberufegesetz, Vorbehaltene Tätigkeiten
  3. Rothgang u. a.: Abschlussbericht PeBeM, Universität Bremen, August 2020
  4. GKV-Spitzenverband: Erste Hinweise zur Umsetzung einer qualifikations- und kompetenzorientierten Arbeitsorganisation, Juli 2024
  5. Gesetz über die Einführung einer bundeseinheitlichen Pflegefachassistenzausbildung vom 28.10.2025, BGBl. 2025 I Nr. 259
  6. Änderungen an § 113c SGB XI durch das Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege, gültig ab 01.01.2026 (Fassungsvergleich)
  7. Regierungsentwurf Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) vom 30.09.2026

Alle Angaben ohne Gewähr. Gesetze, Rahmenverträge und Richtlinien ändern sich; maßgeblich ist der jeweils gültige Originaltext. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung.